Entnahmeplan berechnen: Wie lange reicht dein Geld?

So planst du monatliche Entnahmen aus Vermögen: Kapitalverzehr, Kapitalerhalt, Rendite, Inflation und Grenzen der Rechnung einfach erklärt.

Ein Entnahmeplan beantwortet eine andere Frage als ein Sparplan: Nicht “Wie viel Vermögen baue ich auf?”, sondern “Wie lange reicht vorhandenes Kapital bei regelmäßigen Auszahlungen?” Die Rechnung bleibt immer ein Szenario. Sie hängt davon ab, welche monatliche Entnahme, welche Rendite, welche Inflation und welchen Zeitraum du annimmst.

Der interaktive Entnahmeplan-Rechner rechnet dieses Szenario direkt mit deinen eigenen Zahlen durch. Der Ratgeber zeigt deshalb die Rechenlogik, typische Eingaben und die Grenzen einfacher Auszahlpläne. Für angrenzende Schritte helfen der Rentenlücke-Rechner, der Sparplanrechner, der Zinseszinsrechner und der Inflationsrechner.

Was ein Entnahmeplan beantwortet

Ein Entnahmeplan ordnet die Auszahlphase aus einem vorhandenen Kapitalstock. Typische Fragen sind:

  • Wie viele Jahre reicht ein Betrag von zum Beispiel 240.000 Euro, wenn monatlich 1.200 Euro entnommen werden?
  • Welche monatliche Entnahme passt rechnerisch zu einem Zielzeitraum von 20 oder 25 Jahren?
  • Wie stark verändert Inflation die Kaufkraft der späteren Auszahlungen?
  • Was ist der Unterschied zwischen Kapitalverzehr und Kapitalerhalt?

Die Abgrenzung zum Bestand ist wichtig. Der Rentenlücke-Rechner startet mit gewünschtem Alterseinkommen und erwarteter gesetzlicher Rente. Der Sparplanrechner rechnet Vermögensaufbau mit laufenden Einzahlungen. Der Zinseszinsrechner zeigt Wachstum ohne Entnahmen. Ein Entnahmeplan dreht die Perspektive: Ein vorhandenes Vermögen wird Schritt für Schritt ausgezahlt.

Kapitalverzehr oder Kapitalerhalt

Bei Kapitalverzehr darf der Kapitalstock planmäßig sinken. Wer 240.000 Euro über 20 Jahre verteilen möchte, akzeptiert im einfachen Modell, dass das Vermögen am Ende des Zeitraums rechnerisch verbraucht ist. Ohne Rendite ergäbe das:

240.000 Euro / 20 Jahre / 12 Monate = 1.000 Euro pro Monat

Mit Rendite kann die rechnerische Entnahme höher liegen, weil das verbleibende Kapital weiter Erträge bringen kann. Das gilt aber nur unter der eingegebenen konstanten Annahme. Schwankungen, Kosten und Steuern können das Ergebnis verändern.

Kapitalerhalt verfolgt ein anderes Ziel. Die Entnahme orientiert sich eher an laufenden Erträgen, damit der nominale Kapitalstock möglichst nicht sinkt. Beispiel: Bei 240.000 Euro Kapital und 3 % angenommener Jahresrendite entspräche die rechnerische Monatsrendite grob 600 Euro. Das ist kein sicherer Betrag und keine Empfehlung. Es ist nur die mathematische Folge der Annahme 240.000 Euro × 3 % / 12.

Welche Eingaben du brauchst

Für eine einfache Entnahmeplan-Rechnung reichen fünf Größen:

  • Startkapital: der Betrag, der zu Beginn der Auszahlphase verfügbar ist.
  • Monatliche Entnahme: der gewünschte Bruttobetrag vor Steuern, Kosten und persönlicher Abgabenlage.
  • Zielzeitraum: die Anzahl der Jahre, über die das Kapital reichen soll.
  • Renditeannahme: ein Szenariowert pro Jahr, idealerweise bewusst vorsichtig gewählt und nicht als Prognose gelesen. Der Begriff Rendite meint den Ertrag einer Anlage im Verhältnis zum eingesetzten Kapital.
  • Inflationsannahme: ein Wert für den Kaufkraftvergleich. Der Begriff Inflation beschreibt den Anstieg des allgemeinen Preisniveaus; der deutsche Verbraucherpreisindex misst die Preisentwicklung privater Konsumausgaben.

Eine zusätzliche Reserve gehört nicht direkt in die Formel, aber in die Planung. Unerwartete Ausgaben, Pflege, Reparaturen, Umzug, Unterstützung von Angehörigen oder längere Laufzeiten lassen sich in einer einfachen Monatsformel nicht sauber abbilden.

Beispielrechnung mit konstanten Annahmen

Das folgende Beispiel ist ein reines Szenario, Stand/Annahme 2026, Deutschland/DACH. Es ist keine Prognose und keine Anlageempfehlung.

Angenommen:

  • Startkapital: 240.000 Euro
  • Gewünschte Entnahme: 1.200 Euro pro Monat
  • Zielzeitraum: 25 Jahre
  • Renditeannahme: 3 % pro Jahr vor Steuern und Kosten
  • Inflationsannahme: 2 % pro Jahr

Ohne Rendite wäre die Rechnung kurz:

240.000 Euro / 1.200 Euro = 200 Monate = 16,7 Jahre

Mit konstanter monatlicher Rendite verlängert sich die rechnerische Dauer. Wird die Jahresrendite vereinfacht durch 12 geteilt, ergibt 3 % pro Jahr einen Monatszins von 0,25 %. Für nachschüssige Entnahmen am Monatsende reicht das Kapital in diesem Szenario rechnerisch rund 23,1 Jahre. Soll das Kapital dagegen 25 Jahre reichen, läge die passende konstante Monatsentnahme bei rund 1.138 Euro.

Diese Werte stammen aus der Annuitätenlogik: Eine regelmäßige Auszahlung wird auf den heutigen Kapitalwert zurückgeführt. Die Formel ist nützlich, weil sie Einheiten und Annahmen sauber trennt. Sie ist aber kein Modell für echte Kapitalmärkte.

Inflation, Steuern und schwankende Renditen

Eine nominale Entnahme bleibt in Euro gleich. Ihre Kaufkraft sinkt, wenn Preise steigen. Im Beispiel hätte eine Entnahme von 1.200 Euro nach rund 23 Jahren bei 2 % angenommener Inflation nur noch eine heutige Kaufkraft von etwa 759 Euro. Der Inflationsrechner hilft, solche Nominal- und Realwerte getrennt zu betrachten. Wie diese Rechnung allgemein funktioniert — auch als Rückblick oder Vorschau ohne Entnahmekontext —, erklärt der Ratgeber Kaufkraft verstehen und berechnen.

Steuern und Kosten gehören ebenfalls nicht in einfache Bruttorechnungen. Kapitalerträge können steuerlich relevant sein; die FAQ zur Abgeltungssteuer und zum Sparerpauschbetrag erklären die Begriffe. Für einen konkreten Netto-Entnahmeplan braucht es aber die individuelle Steuer- und Produktsituation. Die steuerliche Einordnung ist hier bewusst allgemein gehalten und stützt sich auf amtliche Grundlagen zu Kapitalerträgen, Abgeltungsteuer und Sparer-Pauschbetrag; sie ersetzt keine Steuerberatung.

Das größte Rechenproblem ist oft nicht die Durchschnittsrendite, sondern die Reihenfolge der Renditen. Fallen Kurse früh in der Entnahmephase und wird trotzdem monatlich Geld entnommen, muss mehr Vermögen zu niedrigen Kursen verkauft werden. Dieses Sequence-of-Returns-Risiko bildet eine konstante Renditeformel nicht ab.

Was die 4-Prozent-Regel leisten kann

Die 4-Prozent-Regel wird häufig als Faustregel für Entnahmen aus Wertpapiervermögen genannt: Im ersten Jahr wird ein bestimmter Anteil des Startvermögens entnommen, danach wird der Betrag oft an Inflation angepasst. Historisch geht diese Diskussion auf US-Studien zu Aktien-/Anleihe-Portfolios und langen Ruhestandszeiträumen zurück.

Für diesen Ratgeber ist vor allem die Grenze wichtig: Die Regel ist keine sichere Entnahmerate für Deutschland, kein Produktvorschlag und keine Garantie für Kapitalerhalt. Sie hängt von Marktperiode, Portfolio, Gebühren, Steuern, Inflation, Währung, Entnahmedauer und gewünschter Flexibilität ab. Wer sie erwähnt, sollte sie als historischen Risikobegriff lesen, nicht als fertigen Plan.

Grenzen der Rechnung

Ein Entnahmeplan macht Annahmen sichtbar. Das ist sein Nutzen. Er beantwortet aber nicht, wie lange jemand lebt, welche Rendite tatsächlich entsteht, welche Steuern später gelten oder welche Ausgaben im Alter hinzukommen.

Die wichtigsten Grenzen:

  • Renditen und Inflation bleiben im einfachen Modell konstant.
  • Steuern, Produktkosten, Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge werden nicht berechnet.
  • Schwankende Märkte und schlechte Startjahre können das Ergebnis stark verändern.
  • Ein rechnerischer Kapitalerhalt ist keine Garantie.
  • Die Rechnung ersetzt keine Finanz-, Steuer-, Renten- oder Anlageberatung.

Sinnvoll ist deshalb kein einzelner Zielwert, sondern ein Korridor: vorsichtige, mittlere und optimistischere Annahmen. Vor der Auszahlphase sollte zuerst klar sein, welche monatliche Lücke besteht. Danach lässt sich prüfen, ob Kapital aufgebaut werden muss, wie stark Inflation die Kaufkraft verändert und welcher Entnahmebetrag im eigenen Szenario tragfähig wirkt.

Einordnung

Datenstand dieser Einordnung: 18. Juli 2026, Deutschland/DACH. Alle Zahlen im Artikel sind Szenariowerte, keine Durchschnittswerte und keine Prognosen.

Quellen